Bergedorf wird beim Öffentlichen Nahverkehr im Stich gelassen
Die S-Bahnen S1 und S2 „warten“ am Hauptbahnhof nicht mehr aufeinander. Für Bergedorfer:innen, die ihren Anschlussbus bekommen müssen, ist das ein großes Problem. Der Bergedorfer Fachausschuss für Verkehr und Inneres fordert einen „Umsteigepuffer“.
Ein Beispiel: „Ich komme von der Arbeit aus Richtung Landungsbrücken mit der S1. Im Hauptbahnhof kann ich dann planmäßig direkt in die S2 nach Bergedorf einsteigen. Sie steht dann schon auf dem Bahnsteig. Was aber, wenn die S1 verspätet ankommt? Früher wartete die S2 bis zu einer Minute auf die S1 und ich konnte wunderbar meine Anschlussbahn bekommen. Heute gilt das nicht mehr, so dass ich häufig meinen Anschlusszug nach Bergedorf gerade wegfahren sehe, wenn meine Bahn einfährt. Damit natürlich nicht genug, verpasse ich dann auch meinen Anschlussbus in Richtung Vierlanden und muss eine halbe Stunde warten. Nachts dann sogar eine ganze Stunde.“
Der Bergedorfer Ausschuss für Verkehr forderte im Juni 2025 die Hamburger Verkehrsbehörde auf, die alte Wartezeitregelung wieder einzuführen. „Für Bergedorf mit seinem großflächigen Landgebiet geht es eben nicht nur um die verpassten S-Bahnen, sondern um die selten verkehrenden Anschluss-Busverbindungen. Damit gehen die Wartezeiten weit über ein erträgliches Maß hinaus“, sagt Marco Stachan, der für die Linken im Verkehrsausschuss sitzt.
Laut Verkehrsbehörde ist dies „Warten“ nicht möglich, da die jeweilige Bahn für den nächsten Zug Platz machen müsse. „Das ist vollkommener Unsinn!“, sagt Marco Stachan. „Die Zugfolgen im Hauptbahnhof sind nicht so dicht, dass ein Warten von 1-2 Minuten zu einer Beeinträchtigung der nachfolgenden S-Bahn führen würde. Außerdem bedingt die Linienführung der S-Bahnen, wie in unserem Beispiel, dass der jeweilige Folgezug nicht pünktlich sein kann.“
Die Verkehrsbehörde plant hier an den Bedürfnissen der Fahrgäste vorbei. „Nehmen Sie doch einfach eine S-Bahn früher“, ist der Rat der Verkehrsbehörde sinngemäß.
Das geht vollkommen an der Realität der Fahrgäste vorbei, die ihre Arbeit nicht früher beenden können und auf genaue Planung angewiesen sind.
Wir bleiben am Thema dran.

